Unsere Kirchengemeinde

Geistliches Wort
 

Monatsspruch Dezember 2020

„Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend
ohne Obdach sind, die führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst,
dann kleide ihn und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“

Jesaja 58,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Tagesthemen-Sendung kam in der Rubrik „mittendrin“ kürzlich ein Beitrag über den christlichen Hilfsverein „Alimaus“ in Hamburg, der sich um obdachlose und drogenabhängige Menschen kümmert. Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist schwer geworden in der Corona-Zeit. Die bedürftigen Menschen können nicht mehr drinnen versorgt werden. Vielen droht der Kältetod. Was sagen wir als Christen dazu, dass immer mehr Menschen in unserem reichen Land an der Armutsgrenze leben? Dass die Geringverdiener gemessen an den Lebenshaltungskosten immer weniger haben? Manche sagen: „Selber schuld! Hätten sie halt was Gescheites lernen müssen.“ Oder: „Müssten sie halt ihr Geld richtig einteilen!“

Was die Bibel dazu zu sagen hat, ist ziemlich eindeutig. „Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, die führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, dann kleide ihn und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ Menschen, die von ihrem Überfluss abgeben können, sind angesprochen. Ich zum Beispiel. Und Sie wahrscheinlich auch. Es geht darum, die Not der Menschen zu sehen und zu helfen, wo wir können.

Helfen ist Herzenssache. Ich muss mein Herz berühren lassen, um helfen zu können. Und das geht nur, wenn ich mich in einen anderen hineinversetze. Dann spüre ich nämlich im Innern, im Herzen, wie es dem anderen Menschen geht.

Ich finde es gut, dass sich unsere Kirche an vielen Stellen einsetzt, um die Not von Menschen zu lindern. Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass das, was wir als Einzelne tun können, sehr wenig ist. Aber wie gut, dass wir in unserer Kirche Kirchensteuer zahlen und dass dieses Geld auch für die Unterstützung vieler Nothilfeprojekte und diakonischer Einrichtungen verwendet wird. Dazu gehört auch die Unterhaltung eines Seenot-Rettungsschiffs, das Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer rettet. Ines Fischer, die Reutlinger Asylpfarrerin, hat kürzlich im Konfirmandenunterricht eindrücklich davon erzählt. Um zu wissen, wie es einem anderen geht, muss ich mich in ihn hineinversetzen. Seine Perspektive einnehmen. Das Leben sehen, so wie er oder sie es sieht. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten dazu Gelegenheit, als sie über das Schicksal der Geflüchteten hörten. Und noch etwas haben sie an diesem Nachmittag erfahren: dass unser westlicher Lebensstil eine nicht unerhebliche Fluchtursache ist. Die Geschichten der Menschen, die uns so fern sind, haben mit uns zu
tun!

Vielleicht denken Sie jetzt: „… aber das hat doch alles gar nichts mit Weihnachten zu tun …“ Doch, es hat ganz direkt mit Weihnachten zu tun. Als Jesus auf die Welt kam, hatte er kein Dach über dem Kopf. Und wenig später mussten seine Eltern mit ihm in ein fremdes Land fliehen. Gott kommt in die Welt und stellt sich auf die Seite der Geringsten und Bedürftigsten. Und er fordert uns auf, diese Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. Ob uns das gelingt in der kommenden Weihnachtszeit?


Ihre Pfarrerin Katharina Dolmetsch-Heyduck