Unsere Gesamtkirchengemeinde

Geistliches Wort
 

Monatsspruch November 2018

„Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“ Offenbarung 21,2

 

Liebe Leserin, lieber Leser,es ist November geworden. Die Blätter fallen. Die Stadt und das Land verwandeln sich von leuchtendem Goldgelb des sonnigen Oktobers in die trüberen und von Nebel überzogenen Farben des Spätherbstes. Das Leben zieht sich in die Häuser zurück. Festliche Zeiten stehen bei den meisten erst wieder mit Weihnachten an. Jetzt ist eher eine Zeit des Rückzugs, der Stille. Manchen ist in diesem Monat auch der Abschied von Verstorbenen und die damit verbundene Trauer besonders nahe.

Am Ewigkeitssonntag gedenken wir ihrer, und eine Woche zuvor, am Volkstrauertag, erinnern wir uns an die Opfer vergangener und heutiger Kriege. Bilder von zerstörten Städten stehen mir vor Augen – damals im 2. Weltkrieg und heute in Aleppo und viel zu vielen anderen Orten. Menschen in und unter Trümmern, Menschen, die ihre Heimat verloren haben, vor dem Nichts stehen, ohne Schutz, ohne Perspektive.

Johannes malt dazu ein Gegenbild. Es wird nicht immer so bleiben. Es wird nicht immer Krieg und Unfrieden, Hass, Leid und Geschrei sein.Ganz im Gegenteil. Eine neue Zeit wird kommen. Das neue Jerusalem wird auf der Erde Gestalt annehmen. Gott schickt uns diese Stadt, und mit ihr die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit, auf eine Zeit, da Schwerter zu Pflugscharen werden. Diese heilige Stadt, das neue Jerusalem, wird „bereitet sein wie eine geschmückte Braut für ihren Mann“.Was für ein Bild: Geschmückte, hell erleuchtete Häuser mit offenen Türen stelle ich mir vor. Festlich gedeckte Tische, an denen jede und jeder einen Platz findet, auf denen köstliche Speisen auf die Gäste warten, an denen gelacht, gesungen, miteinander geredet wird. Ein Fest des Lebens. Und wichtiger noch als dieses äußerliche Geschmückt-Sein wie eine Braut, ist die innere Haltung, die uns aus diesem Hochzeitsbild entgegenkommt:Gott kommt uns entgegen wie eine Braut, die mit strahlenden Augen und klopfendem Herzen auf ihren Bräutigam zugeht. Gottes Herz schlägt für uns. Er bindet sich liebevoll an uns, seine Menschen und seine Welt. Er geht sozusagen eine Liebesbeziehung mit uns ein, in der die Liebe nimmer aufhört.

Noch leben wir zwar in der alten Welt. Doch ab und an scheint diese neue Welt schon auf die Erde hindurch. Den Schmuck der Braut, die Liebe, erblicken wir, wenn zwei sich liebevoll in den Arm nehmen, wenn ein Wort mich tröstet und mir Mut macht, wenn eine Melodie mich fröhlich stimmt, wenn einer über seinen Schatten springt und die Hand zur Versöhnung reicht. Möge Gottes Liebe und sein Licht Ihre Herzen in diesen Wochen des Erinnerns und Gedenkens erwärmen und erhellen. Möge Gott Sie mit der Zuversicht erfüllen, dass das neue Jerusalem, Friede und Gerechtigkeit, eines Tages für alle Wirklichkeit wird.

Das wünscht Ihnen ihre Pfarrerin
Ulrike Kuhlmann