Unsere Kirchengemeinde

Geistliches Wort
 

Monatsspruch April 2020


„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“
(1. Kor 15,42)


Liebe Leserin und lieber Leser,

wir sind im Ausnahmezustand. Ich nehme an, dass niemand von uns solche Zeiten erlebt hat, in denen sich ein Virus in rasantem Tempo auf der ganzen Welt verbreitet und unser Leben durcheinanderwirbelt. Plötzlich ist nichts mehr wie sonst. Keine geselligen Treffen mehr. Gemeindehäuser, Geschäfte, Schwimmbäder, Spothallen, Museen etc. – alles ist zu.
Was vorher normal war, einen Schwatz auf der Straße, auf dem Markt, an der Kasse des Supermarktes - bitte jetzt höchstens noch mit gebührendem Abstand von mindestens eineinhalb Metern.
Gottesdienste dürfen voraussichtlich bis zum 15. Juni (Ende der Pfingstferien) nicht mehr stattfinden. Auf dem Friedhof in Pfullingen ist zu lesen, dass nur der engste Familienkreis zur Trauerfeier in die Halle hineingehen darf. Andere, die vom Verstorbenen Abschied nehmen möchten, können das von außerhalb der Halle und am Grab tun – auch bitte mit Abstand.
Kein tröstendes „In den Arm nehmen“, kein stilles Händeschütteln, um seine Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen, wo es uns doch manchmal am Grab die Sprache verschlägt.
Und auch die Besuche bei älteren Menschen zu Hause und in den Altenheimen sind zurzeit nicht möglich, denn sie könnten ja durch den Besuch anderer infiziert werden. Angehörige sind wie vor den Kopf geschlagen, dass sie nicht zu ihrer Mutter oder dem Ehepartner im Heim dürfen. Wer schaut nach Ihnen? Wer hat ein gutes Wort für sie neben dem, was das Pflegepersonal leisten kann? Neben die Sorge um die Gesundheit treten die über die Zukunft allgemein: Wie wird unsere Wirtschaft das verkraften? Was wird aus dem Arbeitsplatz? Wie können wir unseren finanziellen Verpflichtungen nachkommen?

Bei all diesen Fragen und Ängsten hilft es mir zu wissen: Ich bin nicht allein.
Per Telefon oder E-Mail können wir Kontakt halten oder ganz neu aufnehmen und nacheinander „schauen“.
Und noch etwas können wir tun: Wir können beten – uns von den Kirchenglocken dazu einladen lassen – jeder für sich und doch im Bewusstsein, dass wir zu einer großen Gemeinschaft gehören, die sich in der Not an Gott wendet, um seine Hilfe bittet, auf ihn hofft und ihm vertraut.

Dieses Vertrauen auf Gott gerade angesichts der Zerbrechlichkeit und Endlichkeit menschlichen Lebens, gründet sich für mich auf Karfreitag und Ostern. An Karfreitag hat Gott seine Liebe zu uns gezeigt, indem sein Sohn am Kreuz erhöht wurde - uns zur Erlösung. An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Jesus hat den Tod besiegt. Durch ihn bekommen auch wir Anteil an einem neuen Leben. Was uns als Menschen, als Person ausgemacht hat, wird durch die Auferstehung weiterleben bei Gott.
Mit der Taufe wurde uns dieses neue Leben zugesprochen. Unser irdischer Leib, ist anfällig für Krankheiten, ist vergänglich und zerfällt irgendwann zu Staub und Asche. Der neue Leib, den wir mit der Auferstehung geschenkt bekommen, wird unverweslich, unzerstörbar, ja ewig sein. Dieses kommende Leben wird nicht mehr vom Tod bedroht sein. Dann wird es kein Leid mehr geben und Gott wird alle Tränen abwischen.
Die Osterbotschaft möge und tragen und uns hoffnungsfroh der Zukunft entgegensehen lassen.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen "Frohe Ostern", denn "Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!"

Ihre Pfarrerin Ulrike Kuhlmann